Eine nebenberufliche Selbstständigkeit bietet den Vorteil, dass du erst einmal weiter über deinen Hauptberuf finanziell abgesichert bist und auch die Kranken- und Rentenversicherung geregelt ist. Damit ist das Risiko überschaubar und du kannst ausprobieren, ob du von dem Verkauf deiner Produkte leben kannst. Hier findest du Antworten zu den häufigsten Fragen zur nebenberuflichen Existenzgründung.

Selbständigkeit und Existenzgründung

 

1. Muss ich ein Gewerbe anmelden?

Jeder der regelmäßig gewerblich tätig ist, muss das beim Gewerbeamt anmelden. Ausgenommen davon sind Freiberufler, wie z.B. Steuerberater, Ärzte, Rechtsanwälte und künstlerisch Tätige. Wer als Freiberufler gilt regelt § 18 EstG und genießt den Vorteil, von der Gewerbesteuer und dem IHK-Beitrag befreit zu sein.

Nähst du Kleidung oder stellst Modeschmuck her gilt dies leider nicht als künstlerische Tätigkeit. Somit bleibt dann nur der Gang zum Gewerbeamt, wo eine Anmeldung in den meisten Fällen zwischen 20 bis 40 Euro kostet. Das Gewerbeamt leitet dann deine Anmeldung an das Finanzamt, die Berufsgenossenschaft und die Industrie- und Handelskammer (IHK) weiter.

Auf den Internetseiten deiner Stadt oder Gemeinde findest Du die notwendigen Informationen zur Gewerbeanmeldung. In den meisten Fällen ist neben der persönlichen Anmeldung auch eine Anmeldung auf dem Postweg oder online möglich.

 

2. Muss ich meinen Arbeitgeber informieren?

Solange du deinem Arbeitgeber keine Konkurrenz machst und die Leistungsfähigkeit in deinem Hauptberuf nicht unter der nebenberuflichen Selbstständigkeit leidet, darf dein Chef deine Unternehmungslust grundsätzlich nicht bremsen. Das gilt meistens sogar dann, wenn nebenberufliche Aktivitäten im Arbeitsvertrag ausdrücklich untersagt sind. Anders sieht es bei Beamten, Richtern, Soldaten und ähnliche Berufsgruppen aus. Diese müssen sich ihre nebenberufliche Selbstständigkeit grundsätzlich genehmigen lassen.

Dein Arbeitgeber hat während deiner Arbeitszeit einen Anspruch auf deine volle Arbeitskraft. Daher musst du eine Minderung deiner Leistungskraft im Hauptberuf vermeiden. Bei einer regelmäßigen Wochenarbeitszeit von mehr als 48 Stunden läufst du Gefahr gegen das Arbeitszeitgesetz und damit gegen deine arbeitsvertraglichen Pflichten zu verstoßen.

Es kann sinnvoll sein, deinen Chef freiwillig über deine Nebentätigkeit zu informieren. Dies schafft Akzeptanz und Vertrauen und es erleichtert dir, deinen Kollegen und Vorgesetzten von deinen Erfahrungen als Selbstständiger zu berichten.

 

3. Ab welchem Betrag muss ich meine Einnahmen versteuern?

Erwirtschaftest du mit deiner Nebentätigkeit mehr als 410 Euro Gewinn im Jahr, musst du diesen versteuern. Eine Anmeldung deines Gewerbes kann auch dann notwendig sein, wenn Du diese Grenze unterschreitest.

 

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4. Welche Vorteile bietet die Kleinunternehmerregelung?

Die Kleinunternehmerregelung stammt aus dem Umsatzsteuerrecht (§ 19 UStG). Damit ist die Befreiung von der Umsatzsteuer gemeint, die von bestimmten Gewerbetreibenden gewählt werden darf. Entscheidest du dich für die Kleinunternehmerregelung, brauchst du keine Umsatzsteuer ausweisen und an das Finanzamt abführen. Auf den eigenen Rechnungen muss deshalb der Hinweis stehen, dass du Kleinunternehmer bist, z.B. durch den Hinweistext “Gemäß § 19 UStG wird keine Umsatzsteuer berechnet”. Allerdings musst du als Kleinunternehmer alle eingehenden Rechnungen vollständig mit der ausgewiesenen Umsatzsteuer bezahlen.

Du hast Anspruch auf die Sonderregelung für Kleinunternehmer, wenn du im Jahr der Gründung voraussichtlich einen Umsatz von weniger als 17.500 Euro erwirtschaftest und im Folgejahr voraussichtlich weniger Umsatz als 50.000 Euro machen wirst. Die Grenze von 17.500 Euro bezieht sich immer auf ein ganzes Jahr. Startest du mit der Selbstständigkeit in der Mitte des Jahres, musst du den voraussichtlichen Umsatz auf 12 Monate hochrechnen.

Überschreitest Du irgendwann die Umsatzgrenze von 17.500 Euro pro Jahr, so ist es dann im Folgejahr vorbei mit der Inanspruchnahme der Kleinunternehmerregelung und du musst dann Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen. Dann bleibt dir nur noch der Trost, dass du als umsatzsteuerpflichtiger Unternehmer die Umsatzsteuer auf eingehende Rechnungen als Vorsteuer vom Finanzamt erstattet bekommst.

 

5. Muss ich Beiträge an die Sozialversicherung abführen?

Als nebenberuflich Selbstständiger bist Du über deinen Hauptberuf kranken- und rentenversichert. Dem Gewerbe- und Finanzamt ist es egal, wie viel Zeit du für deine Nebentätigkeit aufwendest. Anders sieht es bei der Krankenversicherung aus. Für die Krankenversicherung ist es relevant, ob die selbstständige Erwerbstätigkeit den wirtschaftlichen und zeitlichen Mittelpunkt deiner Erwerbstätigkeit darstellt.

Ab 18 Stunden pro Woche gehen die Krankenkassen in der Regel von einer hauptgewerblichen Tätigkeit aus und es muss eine zusätzliche Krankenversicherung abgeschlossen werden. Im Zweifelsfall sollte man sich bei der Krankenkasse erkundigen. Wirst du als hauptberuflich Selbstständiger eingestuft, gibt es keinen Zwang zur Einzahlung in die gesetzliche Rentenversicherung.

 

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6. Was ist die Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR)?

Die Einnahmen-Überschuss-Rechnung (kurz: EÜR) ist eine vereinfachte gesetzlich vorgegebene Gewinnermittlungsmethode. Liegt dein Jahresgewinn unter 60.000 Euro und dein Jahresumsatz unter 600.000 Euro, dann besteht keine Buchführungspflicht und du musst keine doppelte Buchführung durchführen. Bei der Einnahmen-Überschuss-Rechnung wird der Gewinn durch den Überschuss der Einnahmen über die Ausgaben berechnet, d.h. es werden nur Einnahmen und Ausgaben berücksichtigt, Bestandsveränderungen bleiben unberücksichtigt:

Einnahmen – Ausgaben = Gewinn/Verlust

Es empfiehlt sich, sich mit dem Formular des Finanzamts zur Einnahmen-Überschuss-Rechnung zu beschäftigen. Dann kannst du selbst erstellte Rechnungen und eingehende Rechnungen schon einmal nach den Gliederungsabschnitten des Finanzamtes sammeln, was später die Erstellung der Einnahmen-Überschuss-Rechnung erleichtert. Das recht günstige Softwareprogramm WISO EÜR & Kasse* erleichtert dir die Erstellung der Einnahmen-Überschuss-Rechnung erheblich.

 

7. Muss ich Gewerbesteuer zahlen?

Gewerbetreibende müssen Gewerbesteuer zahlen. Natürliche Personen sowie Personengesellschaften profitieren von einem Freibetrag in Höhe von 24.500 Euro Gewinn pro Kalenderjahr. Erst wenn du mehr Gewinn erwirtschaftest, musst du dafür Gewerbesteuer zahlen.

 

8. Muss ich einen IHK-Beitrag zahlen?

Grundsätzlich jeder Gewerbetreibende ist Pflichtmitglied in der Industrie- und Handelskammer (IHK) und muss abhängig von seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit einen Beitrag zur Finanzierung der IHK zahlen. Von der Beitragspflicht freigestellt sind Gewerbetreibende, die nicht im Handelsregister oder Genossenschaftsregister eingetragen sind (wie z.B. Einzelunternehmer und GbR-Gesellschafter) und deren Jahresertrag 5.200 Euro nicht überschreitet.

 

9. Benötige ich ein Geschäftskonto?

Trenne geschäftliche Umsätze von Anfang an strikt von Privatem. Ansonsten verlierst du schnell den Überblick. Ein separates Geschäftskonto vereinfacht die Kontoführung und die Buchführung erheblich.

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10. Wie erstelle ich eine eigene Homepage?

Eine eigene Homepage kannst du einfach und günstig mit der Software WordPress erstellen. Wie du einfach und ohne Programmierkenntnisse eine eigene Website realisierst, erläutern wir dir in unserer Schritt-für-Schritt-Anleitung für Einsteiger.

 

11. Wie kann ich günstig EC-Kartenzahlung anbieten?

Wenn du auf lange Vertragslaufzeiten und hohe Grundgebühren verzichten möchtest, kannst du EC-Kartenzahlung mit Hilfe deines Smartphones oder Tablet-PCs anbieten. In unserem Artikel Kartenzahlungen annehmen erläutern wir dir wie dies funktioniert.

 

12. Wie kann ich einen Markennamen schützen lassen?

Wenn Du deine Produkte unter einer eigenen Marke vertreiben möchtest, solltest Du dir deine Marke beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) schützen lassen. Damit stellst Du sicher, dass niemand ähnliche Produkte unter der gleichen Marke vertreibt oder dir deine Webdomain juristisch streitig machen kann, wenn diese deinen Markennamen enthält. Die Registrierung einer Marke kostet 300 Euro.

Zunächst solltest Du über die DPMA-Einsteigerreche prüfen, ob der Markenname schon von jemand anderem geschützt wurde. Die Anmeldung einer Marke ist nicht trivial, das Anmeldeformular und die Vielzahl der Waren- und Dienstleitungsklassen sind nicht selbsterklärend. Mit etwas Ausdauer bekommt man die Markenanmeldung jedoch auch ohne Rechtsanwalt selbst hin.

Sei Dir auch bewusst, dass sich nicht alle Wörter und Bezeichnungen als Marke schützen lassen. Sollte dein Antrag zur Registrierung einer Marke abgelehnt werden, kannst Du zumindest sicher sein, dass sich auch keine andere Person diese Marke schützen lassen kann.

 

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